Menschlichkeit, ein Fremdwort? – Humanity, a foreign word?

Politics, Thought

Zum Thema Flüchtlinge höre und lese ich gerade so Vieles, über das ich mich ärgere, dass ich mich auch dazu äußern will. Zunächst einmal warne ich davor, alle über einen Kamm zu scheren. Es gibt nicht DIE Flüchtlinge, genauso wenig wie es DIE Europäer, DIE Frauen, DIE Alten, DIE Reichen gibt …. Wir sind alle Menschen. Und manche verhalten sich auch so. Ich finde es einfach nicht fair, erst mal jedem Flüchtling zu unterstellen, er sei gekommen, um sich in Deutschland auf Kosten der Deutschen zu bereichern (oder seit den Ereignissen in Köln, er sei ein Vergewaltiger). Es gibt viele Flüchtlinge, die aus purer Angst um ihr Leben aus einem Krisengebiet geflohen sind und Horrorgeschichten hinter sich haben. Da sollte sich jeder zunächst selbst fragen, wie er in so einer Situation handeln würde. Und wir als Deutsche, in einem Land, in dem Frieden herrscht, sollten einfach nur dankbar sein, dass uns solch ein Schicksal bisher erspart geblieben ist. Dies ist also als erstes ein Appell an die Menschlichkeit. Menschlichkeit gegenüber Leuten, die aus oft unmenschlichen Bedingungen aus ihrer Heimat geflohen sind.

Dann bin ich der Meinung, dass jeder, der sich in diesem Land integrieren will, auch die Chance dazu haben sollte. Dazu gehört zunächst das Lernen der Sprache und später auch, sich auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren. Aber auf der anderen Seite auch die Akzeptanz der Regeln und Werte unserer Gesellschaft, wie beispielsweise des Frauenbildes. Keine Frage, so vielen Menschen die deutsche Sprache beizubringen, Wohnraum bereitzustellen und sie auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren ist nicht einfach und braucht Zeit. Eine große Herausforderung. Aber es ist schlichtweg keine unmachbare Aufgabe. Und es kann eine Investition sein, die sich auch für uns als Deutsche in wirtschaftlicher Hinsicht lohnt: in Anbetracht der demografischen Struktur in Deutschland brauchen wir junge, arbeitswillige Leute. Also rein wirtschaftlich kann die Rechnung auch aufgehen. Und zum Wohnraum und der angeblichen Massen: bei einer Million Flüchtlinge und 80 Millionen Deutschen müsste sich nur jeder 80. Deutsche einem Flüchtling annehmen … die Kapazitäten sollten wir doch haben?

Wie oft musste ich mir anhören, ich würde zu den „Gutmenschen“ gehören, die „für Flüchtlinge sind“ oder „alle Flüchtlinge ganz toll fänden“. Erst mal hasse ich dieses In-Schubladen-Stecken und diese Schwarz-Weiß-Malerei (generell sehe ich darin leider die Quelle für viel Intoleranz und Rassismus auf der Welt). Und zweitens stimmt die Aussage einfach nicht. Mein Zwischenfazit  und mein Appell ist, schauen wir uns das Individuum an, bevor wir urteilen und geben denjenigen (sogar auch in unserem eigenen Interesse, nicht nur aus Menschlichkeit) eine Chance, die sich hier integrieren wollen. Nach meinem Gerechtigkeitsverständnis bin ich aber auch was die andere Seite angeht strikt und sage klipp und klar, dass die Menschen, denen die Regeln und Gesetzte hier erklärt wurden und die sich nicht daran halten, hier auch nichts verloren haben (ich gehe an dieser Stelle nicht auf die Rechtslage ein).

Überall gibt es freundliche und unfreundliche Menschen. Genauso wie es solche und solche Flüchtlinge gibt, gibt es auch solche und solche Deutsche. Hier reicht die Bandbreite von Mitbürgern, die Flüchtlingsheime anzünden zu solchen, die sich kümmern. Ich bin eigentlich auch die Diskussionen über das Thema leid, deshalb hatte ich auch erst gar nicht vor, dazu einen Blogartikel zu schreiben. Jetzt hatte ich aber doch das Bedürfnis. Meine Vorbilder bei dieser ganzen Thematik sind auf jeden Fall all die Leute, die nicht nur reden, sondern die sich engagieren und aktiv helfen. Neulich habe ich mit meinem Bruder darüber diskutiert, ob staatliche Gelder für Flüchtlinge erhöht werden sollten. Wir waren uns einig, dass dies nicht getan werden sollte, denn das könnte in manchen Fällen zu falschen Anreizen führen. Aber umso wichtiger wird es, dass wir Deutsche als Individuen für Individuen handeln, die gerade viel weniger haben als wir. Warum haben so viele Leute hier Angst, man könne ihnen was wegnehmen? Und hat doch bisher kein Flüchtling eingeschränkt und unseres Wohlstandes beraubt. All diese Leute haben in materieller Hinsicht so viel weniger als wir und warum ist es so schwer, ein wenig zu geben? Einfach auf die Leute zugehen, mit ihnen reden, ihre Geschichte hören und sie fragen, was sie gerade brauchen. Und es ihnen dann bringen! Das tut doch nicht weh sondern im Gegenteil, es macht doch oft glücklich, zu geben. Darin sehe ich Lösungen. Nicht in langem Sinnieren über die Thematik und schon mal gar nicht in der Hetze gegen Gruppen von Menschen aus anderen Ländern. Wo generell die Menschlichkeit bei so vielen Erdenbürgern abgeblieben ist – das bleibt für mich eine offene Frage. Manchmal rege ich mich wirklich auf, aber generell will ich nicht zu viel Energie darauf verschwenden, mich aufzuregen, sondern einfach versuchen, im Kleinen mit gutem Beispiel voranzugehen, ein freundlicher Mensch zu sein und mir persönlich mein trotzdem positives Menschenbild sowie den Glauben an das Gute im Menschen zu erhalten:

“You must not lose faith in humanity. Humanity is an ocean; if a few drops of the ocean are dirty, the ocean does not become dirty.”
Mahatma Gandhi

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I currently hear so much about the subject of refugees that makes me angry, that I want to make my statement to this now. First of all, I generally warn people to lump all together. There are not THE refugees, in the same way that there are not THE Europeans, THE women, THE old people, THE rich … we are all humans. And some of us behave like this. I just think that it’s not fair to first of all claim that every refugee came to get rich here at the expense of the Germans (or since the happenings in Cologne, that he is a rapist). There are many refugees who fled out of pure fear for their life from conflict areas and who had to undergo horrorstories. Before blaming anybody, one should ask himself first what he’d do if he was in such a situation. And we as Germans, who live in a peaceful country at these times, should be thankful that we have so far been spared the fate of a refugee. This article is hence first of all an appeal to humanity. Humanity towards people who often have fled from inhuman living conditions in their home countries.

I further take the view that everybody who wants to integrate in this country, should have the chance to do so. This includes learning the language and later to establish on the job market. But accepting the rules and values of our society (e.g. the role of women) also forms part of it. Teaching German to so many people, provide shelter and integrate them on the job market demands huge efforts, that’s no question. It’s not easy and takes time. But despite being a big challenge, this task is in my opinion not impossible. And it can be an investment that will pay off in economical terms for Germany: looking at the demographic structure of the society, we need young people in the country who are willing to work. So we could all benefit even economically from this situation. And with respect to living space: if 1 million refugees come to our country – we are  80 million Germans. That means that only every 80th person would have to care for a refugee in the beginning. Do we really not have the ressources for that?

I had to hear quite often that I’d be one of those „do-gooder“, who are „in favour of refugees“ or „like all refugees“. First of all, I generally hate this putting people into boxes and this black and white thinking (because I unfortunately see a huge source for intolerance and racism on this earth in it). And second, this statement is simply not true. My interim conclusion and my appeal are: let’s look at the individual person before making a judgement and let’s give a chance to those people who want to integrate (even in our own interest, not only for the cause of humanity). According to my understanding of justice, I am also strict with respect to the other side and am saying that those people, who have been explained the rules and laws here and who are not willing to stick to them, should have no right to be here (I won’t discuss the legal situation at this point).

Everywhere there are friendly and unfriendly people. As there are such and such refugees, there are such and such Germans. Here, we have citizens who burn the shelters of refugees and such people who care. I actually am kind of tired of discussing the topic and that’s why I did not intend to write a blog article about this topic. But I suddenly felt the desire to do so after all. My role models in this issue are those people who do not only talk, but who engage and help. I recently discussed with my brother if money from the state for refugees should be increased. We agreed that it shouldn’t because this might create the wrong incentives in some cases. But it therefore gets even more important, that we as Germans act as individuals for other individuals who currently have less that we do have. Why are so many Germans afraid that one could take something away from them? So far, no refugee has taken anything from us nor restricted us in our wealth. All these people have materially so much less than we do have, why is it so hard to give a little? Just approach them, hear their story, ask them what they need and give it to them! That does not hurt, in contrary, most of the times it makes happy to give. I see solutions in this approach. Not in pondering on the whole subject and worse, in stirring up hatred against groups of people from other countries. Where is humanity hiding, this remains an open question to me. Sometimes I get upset, but I generally do not want to waste too much energy on getting upset but to try to set a good example on a small scale by being a friendly person and keeping a positive attitude towards people despite everything and believe in man’s inherent goodness:

“You must not lose faith in humanity. Humanity is an ocean; if a few drops of the ocean are dirty, the ocean does not become dirty.”
Mahatma Gandhi

Warum ich mich als liberal bezeichne – why I consider myself as a liberal

Politics
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Bildquelle: https://stocksnap.io

Zu meinem Beitrag zum Verantwortung übernehmen will ich noch eine Ergänzung machen. In einem eigenen Artikel, da ich wieder politisch werde. Bevor ich’s ganz vergesse, werde ich es nun los: Wenn ich mich kritisch zu unserem System äußere, so haben mir manche Leute unterstellt, ich würde nun zum linken Lager des politischen Spektrums und zu den Kapitalismusgegnern gehören. Darauf reagiere ich allergisch – denn mag kritisch gegenüber dem System sein (auch wie das Finanzsystem funktioniert), aber ich bezeichne mich seit einer Weile als liberal und tue das noch immer. Die Erklärung ist relativ einfach: Ich bin der Meinung, dass Leute, wo immer möglich, selbst Verantwortung für ihr Tun übernehmen sollen und auch in Eigeninitiative handeln, um etwas zu ändern – anstatt immer jemand anders zu beschuldigen, wenn etwas nicht glatt läuft. Und daher sollte eine Regierung meiner Meinung nach auch dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen für Leute geschaffen werden, die etwas anpacken wollen, anstatt sie davon abzuhalten. Damit sind auch Unternehmer gemeint.

Ich bin übrigens auch nicht ultra-liberal eingestellt. Es kann im Leben immer zu Situationen außerhalb unserer Macht kommen, durch die wir eventuell mal auf Hilfe angewiesen sein werden, und daher bin ich für ein Sozialsystem in einem gewissen Rahmen, das steht außer Frage. Ich kann nur nicht dieser Haltung zustimmen, dass jeder, der durch die Gründung eines eigenen Unternehmens in harter Arbeit Geld verdienen könnte, von Anfang an als schlecht oder gierig gilt. Leute, die arbeiten, etwas aufbauen oder mit guten Motiven ändern wollen, sollten unterstützt werden. Und das geht nun mal nicht mit Überregulierungen von staatlicher Seite aus, mit starren Strukturen oder extrem hohen Steuern und anderen Abgaben einher.

Das wollte ich mal gesagt haben, nicht dass mich noch mehr Leute irgendwo links einordnen. Ich bin lediglich Linkshänderin 😉

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I want to make an amendment to my post about taking responsibility. But in a separate article, as I am getting political again. Before I forget about it, let me do it right now:

When people hear me talking about the system in a critical way, some classify me somewhere at the left-wing side of the political landscape and as a critic of capitalism. I react kind of allergic to such allusions – I am definitely critical of the system (and also of how our financial system works), but still, I have considered myself a liberal for a while and still do. The explanation is pretty simple: I think people should take responsibility and act themselves in order to change something – instead of blaming somebody else for what is not going well. And I am of the opinion that a government should support people who want to take action and who have the will to change something by establishing the framework conditions to support these people instead of hampering them. This is especially true for entrepreneurs.

I am not an ultra-liberal, either. There are some situations beyond our control and we all may need to get help from the state at some point, so I am in favour of some social support when everything goes wrong, that’s out of question. But, I don’t agree to this opinion that everybody who could potentially earn money by acting and starting his own business is greedy or to be criticized. I think people willing to work, to build something and to change something for good should be supported  And this is not done with overregulation, rigid structures and extremely high taxes and other charges. I just felt like making this clear, so prevent that other people think that I am left-wing oriented. I am just left-handed 😉

Meine Meinung zum Euro – my opinion on the Euro

Politics

Euro

*** please scroll down for the English version of the text ***

Nun wird’s politisch. Aber ich kann mich einfach nicht zurückhalten, meine Meinung zum brandaktuellen Medienthema Griechenlandkrise zu äußern, insbesondere da ich nicht bei einer Institution oder einem Unternehmen angestellt bin, bei denen ich eine von anderen festgelegte Position beziehen muss. Seit ich meine Diplomarbeit Ende 2010 zum Thema „Stabilitätsprobleme der Europäischen Währungsunion am Beispiel von Griechenland“ geschrieben habe, ist das Thema für mich von besonderer Bedeutung und ich habe seither eine klare Meinung, die sich in ein paar Sätzen zusammenfassen lässt:

Die Einführung des Euro war eine politische Entscheidung (viele Volkswirte haben bereits im Voraus davor gewarnt) und meiner Meinung nach ein Fehler. Nun sind solche Urteile im Nachhinein nicht besonders hilfreich. Der Euro ist eingeführt und egal ob die Währungsunion in der aktuellen Formation bestehen bleibt oder ein Land diese verlässt – es gibt keinen einfachen Weg zur Lösung des Problems. Griechenland würde aus wirtschaftlicher Perspektive meiner Meinung nach von der Einführung einer eigenen Währung profitieren, da Geldpolitik so auf nationaler Ebene durchgeführt werden könnte. Das Instrument der Wechselkursanpassung ist ein wichtiges und in diesem Fall wäre eine Währungsabwertung natürlich und würde dem Land helfen. Die technische Regelung eines Austritts aus der Währungsunion (man denke an alle Maschinen, die auf Euro programmiert sind) hingegen ist hochkomplex und friedlich und ohne kann so ein Prozess auch nicht vonstatten gehen. Ich möchte nicht mit den Politikern tauschen, die die Verantwortung dafür übernehmen oder mit dem Militär / den Polizisten, die Bankruns entgegenwirken. Kurzfristig wäre das alles nicht lustig, aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Denn wie es seit Jahren läuft, so wird es nicht ewig weiter gehen können. Und was mich am meisten beunruhigt und ärgert an der Dauerkrise: ich bin ein begeisterter Befürworter der Europäischen Union. Wir hatten die letzten Jahrzehnte Frieden in Europa (und können uns innerhalb der Landesgrenzen mittlerweile frei bewegen). Das sah vor gut 60 Jahren noch ganz anders aus. Das ist für mich die wichtigste Errungenschaft. Und nun sehe ich, wie die Währungsunion für große Spannungen und Unfrieden zwischen den Nationen innerhalb Europas sorgt. Deshalb verstehe ich die Aussage und das Druckmittel „wenn jemand aus der Währungsunion aussteigt, dann auch aus der EU und Europa“ überhaupt nicht. Wenn der Fall des Austritts eines Landes aus der Währungsunion nicht rechtlich geregelt ist, dann sollte schnell eine Regelung geschaffen werden. Zum Erhalt des langfristigen Friedens, des Miteinanders und der Union in Europa. Und wo gemeinschaftliche Regelungen (egal ob Währung, Gesetze etc.) zu Unmut und einem Gegeneinander der Nationen führen, dann braucht es diese nicht. Auch wenn der Weg aus der gemeinsamen Währungsunion keinesfalls einfach ist, vielleicht sollte er besser sofort umgesetzt werden. Für ein friedliches Europa in Zukunft.

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Let’s talk politics. I can’t hold myself back to shout out my opinion on the late-breaking topic in the media: the crisis in Greece. Especially given the fact, that I am not employed at an instutuion or company where I have to adopt a position defined by others. Since I have been writing my diploma thesis in 2010 about „stability problems in the European Monetary Union at the example of Greece“, this subject is of particular importance to me, and I do have a clear opinion on it that I can summarize in a few senctences:

The introduction of the Euro has been a political decision (many economists have warned of it in advance) and in my opinion, it has been a mistake. Well, such judgements with hindsight are not of value to anybody. The Euro is our currency now and whether the monetary union remains the way it is or whether one country leaves it – there is no easy way out solving the problem(s). Greece would benefit from having a currency on ist own, as monetary policy could be conducted on a national level. The instrument of adjusting exchange rates is an important one, an in this case, a devaluation would be natural and help the country. The technical execution of the exit of a monetary union however is highly complex (simply thinking of all the machines that are programmed on the Euro currency) and it won’t run smoothly and peacefully. I would not want to change with the politicians taking responsibilty for an exit decision or the policemen / military trying to prevent bankruns. All this wouldn’t be funny, but I claim: better a terrible end than unending terror. Because it won’t go on forever the way that things have been handled during the last years. And what worries and annoys me most is the following: I am an enthusiastic proponent of the European Union. We have been living in peace in Europe during the last years. The situation has been looking quite a bit different around 60 years ago. For me, this is the biggest accomplishment. And therefore I don’t understand the argument „if you leave the monetary union, you leave the European Union and Europe“. If the case of the exit of a nation of the monetary union has not been clarified legally, this should be changed quickly. In order to maintain peace, cooperation and the union in Europe. And where common regulations (no matter if it is the currency or other common laws) lead to resentment and anger between the nations, they are not necessary. And despite the fact that the way out of the monetary union is not an easy one, maybe it should be gone soon. In order to have peace in Europe, as well in the future.