Der Bezug zu dem, was ich tue und konsumiere – the relation to what I do and consume

Thought

Milch 1

*** please scroll down for the English version of the text ***

Ein Grund, warum ich auf’s Land gezogen bin, war die Hoffnung, lokal erzeugte Lebensmittel direkt beziehen zu können. Für die Milch klappt das schon mal. Sogar besser: ich kann mit der Milchkanne zum Bauernhof marschieren, und dort vom Tank wann immer ich will frische Biomilch abzapfen (nicht direkt von der Kuh versteht sich, und die Milch ist mit knapp 4% auch schon etwas vorbehandelt). Mir war die Begeisterung anzusehen, als ich von einer netten Dorfbewohnerin instruiert wurde und zum ersten Mal die Milch abfüllen durfte. Und dieser Geschmack … unglaublich – man muss den Unterschied zur Supermarktmilch einfach selbst schmecken.

Ausschlaggebend für mein Verhalten ist unter anderem, dass ich wieder einen Bezug zu den Dingen bekommen will, die ich tue und konsumiere. Einen besonderen Platz nimmt dabei das Thema Essen ein, da ich Lebensmittel meinem Körper schließlich zuführe. Die Welt hat sich in den letzten Jahren schnell gedreht – zu schnell für meinen Geschmack. So sehr ich einige Aspekte des Lebens in einer globalisierten Welt schätze – die Tatsache, dass man fast eine Wissenschaft daraus machen muss, wenn man etwas kaufen will und sicher sein, dass es nicht vom anderen Ende der Welt kommt und niemand (auch nicht die Erde) dafür ausgebeutet wurde, ist schade. Wir in der industrialisierten Welt sind von den Produktionsprozessen von dem meisten, was wir konsumieren oder benutzen, so weit weg. Und um wieder einen Schritt näher an der Natur zu sein bin ich auf’s Land gezogen. Lokale, saisonale und wenn möglich biologisch angebaute Lebensmittel so direkt wie möglich vom Erzeuger kaufen zu können ist ein Aspekt davon. Wissen, wo die Lebensmittel herkommen. Abgesehen von den oben genannten Gründen bedeutet solches Essen auch viel Lebensqualität für mich.

An dieser Stelle muss ich an ein Gespräch auf dem Jakobsweg mit einer Kanadierin in meinem Alter, Billy, denken. Sie sagte, dass es für die Generation unserer Eltern komisch sein müsse. So ziemlich alle Leute aus ihrer Familie waren Farmer. Ihre Vorfahren und Eltern haben sehr hart gearbeitet, um uns (der neuen Generation) ein besseres Leben ohne diese harte Arbeit zu ermöglichen (Mama, kommt dir das bekannt vor?). Und nun interessiert sich die junge Generation auf einmal brennend für Landwirtschaft oder auch einfach nur den eigenen Gemüsegarten. Billy und ich waren uns einig, dass wir wieder einen Bezug zur Erde haben wollen. Und auf dem Jakobsweg habe ich mit so vielen Leuten meines Alters für das Thema gesprochen, was beweist, dass ich mit meinen Gedanken nicht alleine bin. Und was die Generation meiner Eltern angeht, erklärt mein Blogbeitrag ein wenig das komische Verhalten der jungen Leute? Alles hat zwei Seiten – vielleicht sind wir naiv und unerfahren, indem wir von Bauernhöfen und Gemüseanbau träumen, und wir wissen nicht, was harte körperliche Arbeit bedeutet – aber dennoch, es gibt bei einigen diesen Wunsch, einen Bezug zum Natürlichen zurückzubekommen.

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One reason why I moved to the countryside is that I was hoping to buy some of my food locally. This already proved to be true for milk. Even better: I have been invited to walk with the milk jug to the farm and get fresh, organic milk from the tank whenever I want to (I wrote from the tank, not from the cow. The milk hence is a little pretreated with almost 4% fat). I got so excited about this when I have been instructed by a nice lady from the village. And the taste of this milk – incredible. You simply need to taste it and the difference to the milk from the supermarket.

One of the drivers of my behaviour is that I want to get related again to the things I do and that I consume. A special subject is food to me, things that I consume and actually put into my body. The world has been turning fast into the last 50 years or so – in some respects too fast, as I claim. As much as I am able to enjoy some benefits of a globalized world – I think that the fact that you need to make science out of buying a product of which you can be sure that it does not come from the other end of the world and that nobody (or the earth) has been exploited for is sad. The production processes of pretty much all things we consume are so far apart from us in the industrialized world. I moved to the countryside to take a step closer to the nature. Buy local food as directly as possible from the producer, and seasonal and organic if possible, is one aspect. See where it comes from. Apart from the reasons I mentioned before, such food means life quality to me.  

At this point, I remember talking to a Canadian woman of my age, Billy, on the Camino de Santiago this spring. She said that it must be strange for our parent’s generation: pretty much all people of her family have a farming background. Her ancestors and parents were working so hard in order to allow us (the new generation) to have a better life, not having to work on a farm any more (Mom, does that sound familiar?). And now, the young people voluntarily start to become interested in farming again or growing their own vegetable. Billy and I agreed that one reason of this is the wish to get related to earth again. I spoke with many people of my age about this subject, full of excitement. That proved me that I am not alone thinking like this. And for the generation of my parents, does this blog post explain the strange behaviour of the young people a little? There are two sides of everything – we might be naive dreaming of farming and gardening, inexperienced and yes, we don’t know that hard physical work – but still, there is this wish in many of us to get related again.

Milch 2

4 thoughts on “Der Bezug zu dem, was ich tue und konsumiere – the relation to what I do and consume

  1. Das haben wir schon als kleine Kinder gemachen. Du und Lukas wolltet immer die Milch von der Lisa haben. Ich konnte das damals nicht verstehen warum. Ich hatte euch verschwiegen, das doch sowieso die ganze Milch in einen Behälter gefüllt wird. Ihr habt aber immer die Milch von der Kuh bekommen die ihr wolltet….. 😉

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