Der Reiz des Gärtnerns – the charm of gardening

Thought

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Heute habe ich meine erste Tomate aus dem Gemüsegarten gegessen. So klein und unscheinbar sie auch war, sie schmeckte herrlich – so aromatisch und süß. Und dies ist ein Anlass, etwas über’s Gärtnern zu schreiben.

Dass am Ende meiner Wiese ein kleines, eingezäuntes Gemüsegärtchen ist, hat mich von Anfang an begeistert. Letztes Jahr war aber alles noch chaotischer als dieses Jahr, sodass mir sehr schnell klar war, dass das mit dem Gärtnern erst in der nächsten Saison etwas werden würde, wenn überhaupt.

Zunächst sollte ich klarstellen, dass ich in Bezug auf das Gärtnern nicht alles romantisiere. Und mit dieser Einstellung habe ich mich auch nicht an meine ersten praktischen Erfahrungen gemacht, da ich als Kind zumindest aus der Beobachterperspektive durch die Gemüsegärten meiner Eltern trotz generellem Desinteresse an der ganzen Sache etwas mitbekommen habe. Es ist verwunderlich, dass ich Salat mittlerweile so gerne mag, denn eigentlich bin ich was Salat aus dem Garten angeht, aus Kindertagen hochgradig traumatisiert. Der Salat, der nach 10-maligem Waschen immer noch mit einigen Läusen behaftet auf den Tisch kam (und nachdem zuvor die ganzen Schnecken entfernt wurden, aber sicher nicht von mir), ist mir noch bildhaft vor Augen. Niemand außer mir wollte die Läuse sehen, aber sie waren definitiv da! Ich erinnere mich aber auch an sehr angefressene Karotten, voll von Erdklumpen, nach deren stundenlanger Bearbeitung dann noch ungefähr ein Bruchteil an weiter verwertbarer Karotte übrig war. Oder wie meine Mama einen ganzen Tag lang zunächst mit der Ernte einiger Schüsseln Johannisbeeren beschäftigt war, dann mit dem Entfernen der Stiele und schließlich mit dem Einkochen zu Sirup oder Gelee. Ich konnte jedenfalls überhaupt nicht verstehen, wie man seine Zeit freiwillig mit so einem Gemüsegarten verbringen kann, wo die Verarbeitung der rauen Mengen an Erzeugnissen auch schnell zur Verpflichtung wird. Und, das erfahre ich gerade am eigenen Leib,  hier sprechen wir zu alledem ja auch noch von einem Luxusproblem: so eine reiche Ernte heißt ja, dass der Gärtner was richtig gemacht hat…

Lebensmittel, auch Gemüse, wird uns ja im Supermarkt praktisch nachgeschmissen, sie sind im Vergleich zu anderen Dingen spottbillig und dann auch noch im Überfluss vorhanden. Gärtnern ist heutzutage und hierzulande zu einem großen Teil Liebhaberei. Aber warum haben dennoch viele Leute einen eigenen (Gemüse-)garten und warum habe ich insbesondere mit vielen Leuten meines Alters auf dem Jakobsweg über den Wunsch gesprochen, selbst Gemüse anzubauen?

Die erste Antwort habe ich bereits in einem vergangenen Artikel benannt, indem ich thematisiert habe, dass uns in unserer modernen Welt zu so vielem, was wir tun oder konsumieren, der Bezug verloren gegangen ist. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei das Thema Essen ein. Im ersten Schritt kommt die Auseinandersetzung mit dem, was man isst. Und ein paar Schritte weiter (rückwärts), wenn man den größtmöglichen Bezug zu seinem Essen will, lautet die Folge: sein Gemüse selbst säen, wachsen sehen, ernten, kochen und essen. Durch das Gärtnern erhält man im wahrsten Sinne des Wortes den Bezug zur Erde zurück.

Und für den zweiten Antwortpunkt will ich einen Abschnitt aus einem Artikel aus der Zeit nennen, der den Nagel auf den Kopf trifft. So schön kann ich gar nicht formulieren, daher zitiere ich: «Gartenarbeit lehrt Demut und Geduld. Keinem, der jemals zum Spaten griff, bleiben bittere Erfahrungen erspart. Dürre, Platzregen, Schneckenplage oder Wühlmaus-Invasion zeigen dem Menschen, der angeblichen Krone der Schöpfung, eben kurz mal auf, dass er nichts weiter ist als ein Wurm im großen Kosmos der Planeten.«

Und ja, Gärtnern ist schön! Mich zieht es jeden Abend fast magisch in meinen Garten, nicht nur um die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Es macht Freude, den Wachstum der Pflanzen in der Hoffnung diese auch irgendwann ernten zu können, zu beobachten. Und Unkrautjäten und in der Erde herumzuhacken hat etwas Therapeutisches, das bestätige ich hiermit. Wie bei so vielem: das muss man erleben. Als Außenstehende konnte ich es als Kind/Teenager nie verstehen, wie in der Nachbarschaft alle beim ersten Sonnenstrahl in den Garten gerannt sind und das Werkeln dort genossen haben. Oder auch nicht, wie man eine Tomate ganz verliebt anstarren kann, wenn sie aus der eigenen Ernte kommt 😉

Da meine Erzählungen über den Reiz des Gärtnerns nun viel ausschweifender geworden sind als beabsichtigt, werde ich den geplanten Bericht über die Erfolge und Misserfolge in meinem eigenen Garten auf einen weiteren Artikel morgen (oder so) verschieben.

5.3

Today, I have been eating the first tomato from my vegetable garden. As tiny and inconspicuous as it was, it tasted marvellously – so aromatic and sweet. And this is an occasion to write about gardening.

The fact to have a small, fenced vegetable garden area at the end of my meadow, delighted me from the beginning. But as things have still much more chaotic last year than they are this year, I immediately realized that my gardening experience would not start until next season, if at all.

I first should clarify that I am not romanticizung everything with respect to gardening. And I did not start my own vegetable garden with this attitude either, because even despite a general lack of interest for the topic, I did see some things watching my parents and their garden(s). At least from the perspective of an observer. It is astonihing how much I like salad by now, because I am highly traumatized from childhood experiences: I can still vividly see the salad put on the table, yet containing lice after 10 rounds of washing. Nobody, except me, saw them. But they were there! I also remember the carrots, fretted and covered in earth. After an hour-long treatment, only a tiny rest of each carrot remained to be processed for dinner. Or I remember my mom kept busy by the currants for a day: first, she gathered them, then she removed the stems from the berries and then she needed to cook them to syrup or marmelade. I could not understand at all how you can voluntarily spend so much time with a vegetable garden, with the processing of the harvest quickly becoming a duty. And, as I experienced myself this year, we are talking about a luxury problem here: a rich harvest means that the gardener did something right…

Food, as well vegetables, cost (compared to other things) pretty much nothing in the supermarket and are available in abundance. This renders gardening in these days and in these parts a hobby. But why do so many people cultivate their own garden and why have I spoken to so many people of my age on the Camino de Santiago about the wish to grow our own vegetables?

I have already explained the first answer to this in a past article, when I wrote that in our modern world, we have lost the relation to so many things we do and consume. The topic of food takes a central role in this. In a first step, you start to thank about what you eat. And a few steps further (backwards), when you want to have the closest relation possible to your food, you start to seed it yourself, watch it grow, harvest, cook and eat it. Through gardening, you literally get related to Mother Earth again.

And for the second point of my answer, I want to mention an article from the newspaper “Zeit” which hits the nail on the head. I couldn’t say it nicer, that’s why I quote: «Gardening teaches humility and patience. Nobody who ever grabbed the spade has been spared from bitter experiences. Droughts, cloudbursts, snail plagues or an invasions of voles show human beings, the crown of the alleged pride of creation, en passant, that they are no more than worms in the big cosmos of the planets.«

And yes, gardening is beautiful! My garden magically attracts me almost every evening, not only to enjoy the last sunrays of the day. It is delightful to see the plants grow, hoping to harvest them one day. And weeding is therapeutic, I confirm this. And as for most things: you need to experience it yourself. From an outside perspective as a child / teenager, I could never understand how everybody in the neighborhood got outside in the garden with the first ray of sunshine, how they all seemed to enjoy working in the garden. But at that point, I wouldn’t have understood either how you can stare at a tomato that you just picked – in love 😉

As my stories about the charm of gardening have become much longer than intended, I will delay the report of the success and failures in my own garden to tomorrow (or so).

3 thoughts on “Der Reiz des Gärtnerns – the charm of gardening

  1. Hi Sarah,
    da kann ich dir nur zustimmen, selbst gärtnern macht so viel Spaß. Wenn man dann auch noch die ersten Erfolge in Form von Obst und Gemüse sieht, macht es umso mehr Spaß. Bei mir gab es schon vor ein paar Tagen die ersten Tomaten aus der eigenen Ernte und sie haben umwerfend geschmeckt 😉
    LG Melli

    1. Hi Melli,
      wie schön, das zu hören. Da bist du schon weiter als ich mit den Tomaten … dazu aber morgen (oder so) mehr.
      Grüsse,
      Sarah

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